PSYCHIATRIE – WISSEN – GESELLSCHAFT

EIN TRANSDISZIPLINÄRER WORKSHOP

mit Beiträgen aus Psychiatrie, Philosophie, Linguistik, Geschichts-, Kultur- und Bildwissenschaften

16.-18. Oktober 2014, Universität und Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Psychiatrie und Gesellschaft sind vielfach miteinander verwoben und nicht unabhängig voneinander denkbar: Seit ihrer Entstehung als Anstaltspsychiatrie im 19. Jahrhundert sowie als wissenschaftliche Disziplin und klinische Praxis ist die Psychiatrie Ort und Gegenstand grundlegender epistemologischer, sozialer und ethischer Debatten. Wie in einem Brennglas fokussieren sich in ihr Fragen nach Menschenbild, Gesundheit und Krankheit sowie dem Selbstverständnis moderner Gesellschaften.

Angelehnt an Konzepte der Medical Humanities verfolgt der Workshop philosophische, wissenshistorische und kulturanalytische Fragen zwischen PSYCHIATRIE – WISSEN – GESELLSCHAFT. Dabei wird die Psychiatrie nicht nur als Fachdisziplin, sondern auch als sozialer und epistemischer Fokus gefasst.

Wahrnehmungsleitende Perspektiven

Transdisziplinär entworfen, gliedert sich der Workshop in vier Themenblöcke, in denen inhaltliche wie auch methodologische Fragestellungen aufgenommen und verhandelt werden, die sich zwischen Theorien und Praktiken situieren:

  • Erfahrung: In diesem Themenblock wird «Erfahrung» von psychischer Erkrankung als Forschungsobjekt wie auch als Mittel wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns thematisiert. Es geht darum zu fragen, wie sich ein Verständnis der Erlebensebene psychischer Erkrankung gewinnen lässt, d.h. zum Beispiel wie es für jemanden ist, eine Psychose zu erleben. Davon ausgehend sollen allgemeiner der Status von Erster- und Dritter-Person-Perspektive in psychiatrischer Forschung und Praxis betrachtet werden.
  • Sprache: Im Themenblock «Sprache» stehen die psychiatrische Fachsprache und der psychiatrische Fachdiskurs in ihren historischen, soziokulturellen Kontexten im Zentrum. Neben Entstehung und Entwicklung im fachwissenschaftlichen Umfeld soll auch die Verhandlung und Veränderung psychiatrischer Konzepte in alltagssprachlichen Diskursen betrachtet werden: Wie entstehen und wandeln sich Konzepte psychischer Krankheiten? Wie verändern sich Bedeutungen und Gebrauch psychiatrischer Begriffe in Wissenschaft, Alltag und Öffentlichkeit?
  • Bildpraktiken: Im Themenblock «Bildpraktiken» sollen künstlerische & medizinische, fotografische & kinematografische visuelle Praktiken der Psychiatrie und Neurowissenschaften diskutiert werden, in denen sich heterogenes Wissen von ÄrztInnen und PatientInnen sedimentiert. Dabei geht es um gesellschaftliche Macht und Wirkung dieser Bilder, aber auch um Selbstreflexionen und Selbstverhältnisse, die diese Praktiken generieren.
  • Gegen-/Wissen: Im abschliessenden Themenblock «Gegen-/Wissen» soll die historische Analyse der gesellschaftlichen Produktion und Zirkulation von (psychiatrischem) Wissen bzw. Wissen von der oder über die Psychiatrie im Zentrum stehen. Wissen (ent)steht immer in Machtfeldern und befindet sich mit anderem Wissen oder anderen Wissensformen in Konkurrenz um Hegemonie. Basierend auf dieser Grundannahme möchte wir fragen, welches Wissen wann, wo und wie über welche Geisteskrankheiten geschaffen wird?

Im Rahmen des geplanten Workshops können sich Doktorierende und Postdoktorierende einer Vielzahl von Disziplinen austauschen und ihre disziplin-spezifische Methodik reflektieren. Transdisziplinäre Ansätze und Fragestellungen sollen (fort)entwickelt, Schnittpunkte von Theorie und Praxis produktiv genutzt werden – sowohl um neue Forschungsfragen zu formulieren wie auch klinische und gesellschaftliche Interventionen zu entwerfen.

Programm

Organisation und Planung: Yvonne Ilg, Marina Lienhard, Anke Maatz, Veronika Rall.